Lärm dringt in unseren Körper. Ob wir wollen oder nicht. Er findet seinen Weg. Durch die Luft und via unser Gehör. Direkt in unsere Nervenzentrale - das Gehirn!
Und dort treibt der Lärm sein Unwesen - zum Teil auf lebensgefährliche
Art.
Experten sprechen in Deutschland von über
2'700 Lärmtoten im Jahr.
Diese Zahl bezieht sich auf Ergebnisse epidemiologischer Untersuchungen aus Deutschland. Dort wurden Herzkrankheiten in Abhängigkeit vom Verkehrslärmpegel untersucht.
Man hat beispielsweise festgestellt, dass das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, bei einer Lärmbelastung von 65 Dezibel um 20 Prozent höher ist, als bei einer Belastung von 50 bis 55 Dezibel.
Sterben wegen Strassenlärm? Kaum zu glauben, aber
dennoch möglich!
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Stelle Dir vor, jemand, der seit seinem 18. Lebensjahr 20 Zigaretten täglich raucht, stirbt mit 55 Jahren. Diagnose: Zu viele Zigaretten. Glaubst Du das? Natürlich.
Mit 55 Jahren stirbt jemand, der seit er 18 ist, einen Liter
Schnaps am Tag trinkt. Diagnose: Zu viel Alkohol. Kannst du
das glauben? Natürlich.
Und jetzt stirbt einer, der mit 18 an eine sehr stark befahrene
Strasse gezogen ist und seither jeden Tag 20 Stunden lang Autolärm
gehört hat. Diagnose: Zu viele Geräusche. Glaubst
du das? Eben! |
Häufig macht man folgende falsche Überlegung:
"In den ersten beiden Fällen nehmen die beschriebenen
Personen über Jahre hinweg Gift in sich auf. Das Gift häuft
sich an und schädigt die Organe. Geräusche hingegen können
sich nicht anhäufen und sind damit harmlos".
Falsch! Lärm geht ins Blut. Und wie!
Lärm als Gift? Wie geht denn das?
Das Ohr ist der Radar des Menschen. Immer bereit. Immer am Hören.
Und bei jedem Geräusch, welches eine mögliche Gefahr bedeutet,
werden Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol
ins Blut abgegeben. Und die können sich sehr wohl anhäufen.
Höre hier

ein Geräusch, das für den Menschen eine mögliche
Gefahr bedeutet.
Tragen wir Menschen demnach Gift in Form von Stresshormonen
mit uns herum? Ist das nicht dumm?
Nun, im Ernstfall und in kleinen Mengen abgesondert, sind sie nicht
giftig, sondern lebensrettend! Aber sie sollten nicht zu oft aus
ihrer geschützten Umgebung ins Blut gelangen. Dumm ist nur,
wenn dies eben dauernd geschieht - wie bei der Verarbeitung des
Strassenlärms!
Sieh Dir hier ...
in einem neunminütigen Vortrag an, wie ein Geräusch die Ausschüttung von Stresshormonen provoziert.
Die Folgen sind wissenschaftlich belegt:
- Verengung und Schädigung der Blutgefässe
- Erhöhung des Blutdruckes
- Anstieg der Herzschlagfrequenz
- Verringerung der Schlaftiefe
So ein bisschen Stresshormone - ist das so gefährlich?
Kennst Du den Film "A Million Dollar Baby" von Clint Eastwood (4 Oscars)? Hier wird klar, wie gefährlich Adrenalin sein kann.
In diesem Film ist Maggi, die 31-jährige Protagonistin (Hilary
Swank), eine kämpferische Boxerin und tatsächlich schafft
sie es, die amtierende Weltmeisterin herauszufordern.
Doch diesen letzten Kampf führt sie nicht zu Ende. Sie wird
zum Krüppel, als ein Schlag ihrer Gegnerin sie so stark trifft,
dass sie vom Hals an abwärts vollständig gelähmt
ist. Maggi war sich anderes gewohnt, als immer in der selben Position
auf einem Bett oder in einem Rollstuhl zu verharren. Ihre Beine
faulen langsam ab und müssen amputiert werden. Das alles ist
so unerträglich, dass Maggi schliesslich aufgibt. Sie kann
nicht mehr und will, dass ihr Trainer (Eastwood) das tut, wozu sie
selber nicht mehr in der Lage ist - Maggi töten. Irgendwann
willigt der Trainer ein und spritzt ihr eine hohe Dosis eines Giftes:
Adrenalin!
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Stresshormone
sind Gifte! Sie werden uns im Alltag nur deshalb nicht gefährlich,
weil es in unserem Reservoir nur wenig davon hat. Wird diese Reserve
aufgebraucht, füllt es sich nur langsam wieder. Würde man
aber von ein paar Dutzend Mitmenschen das zur Zeit vorhandene Adrenalin
einsammeln und sich ins Blut spritzen, hätte man dasselbe Problem
wie bei anderen schlimmen Vergiftungen.
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Und was hat das mit dem Strassenlärm zu tun?
Strassenlärm löst die Ausschüttung genau solcher Stresshormone aus. Es stimmt: Nur bei kurzen und lauten Geräusche können wir die Ausschüttung spürbar erfahren. Je länger ein Geräusch dauert und je leiser es ist, desto weniger Stresshormone werden ausgeschüttet. Aber: Es wird nicht null!

Die Grafik veranschaulicht, dass Stresshormone auch dann noch ausgeschüttet
werden, wenn wir dies nicht aktiv wahrnehmen! Klicke auf die verschiedenen
Knöpfe, um selber zu erfahren, wie der Körper auf Lärmereignisse
reagiert.
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